KUNSTMUSEUM

Neben den Ständigen Ausstellungen zu Edwin Scharff und Ernst Geitlinger legen wir den Schwerpunkt in mehreren Sonderausstellungen pro Jahr auf die Klassische Moderne, also das ausgehende 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts - und das immer wieder mit dem Augenmerk auf der Bildhauerei. Damit erweitern und ergänzen wir den Blick auf das Werk Edwin Scharffs.
Zugleich zeigen wir ab und an aktuelle künstlerische Positionen und spannen damit einen Bogen zur Gegenwart.
Mit dem Bildhauer Scharff und dem etwa gleichaltrigen Maler Geitlinger konfrontieren wir eine figürliche Kunstauffassung mit Tendenzen ungegenständlicher und konkreter Kunst.

Renée Sintenis

Pionierin der Bildhauerei

04.04.— 16. 08. 2020 

Sie galt als Gesicht der Weimarer Republik und mit ihrer modischen Kurzhaarfrisur als ein Vorbild für
die „neue Frau“: Renée Sintenis, eine Pionierin der Bildhauerei. Ob beim Ausritt im Tiergarten oder am Steuer des eigenen Automobils,—im Berlin der 1920er Jahre machte die hochgewachsene und androgyn wirkende Künstlerin großen Eindruck.

In ihrem plastischen Schaffen bevorzugte Sintenis das kleine Format. In Kleinplastiken widmete sie sich zunächst dem weiblichen Akt und bald vorwiegend der Tierplastik. Um ihrer Profession zu folgen, bricht sie mit ihrer Familie.

Allmählich findet Renée Sintenis in einer impressionistisch-flackernden Oberflächenbehandlung ihre ganz eigene Formensprache. Vor allem die berührende Ungelenkigkeit junger Tiere und ihre vom Instinkt geleiteten Bewegungen weiß sie überzeugend wiederzugeben. Gefördert von der Galerie Alfred Flechtheim, deren „Paradekünstlerin“ sie bald ist, werden ihre Werke zum beliebten Sammelobjekt im In- und Ausland und verschaffen ihr rasch Renommee. 

Doch auch die kraftvolle Vorwärtsdynamik eines Polospielers oder die gespannte Konzentration der populären Boxkämpfer weiß die Bildhauerin zu veranschaulichen. Ihre pointierten, packenden Sportlerdarstellungen sind damit zugleich ein ausdrucksstarkes Zeugnis der Sportbegeisterung der Zeit. Eindringliche Selbstbildnisse und die charaktervollen Bildnisse von Freunden, zu denen der Dichter Joachim Ringelnatz zählt, befördern zusätzlich das Interesse an ihrem künstlerischen Werk. Mit der Plastik der „Daphne“ schafft die Künstlerin zudem eine der eindrucksvollsten mythologischen Verkörperungen der Zeit.

Nach einschneidenden Jahren der inneren Emigration wird Renée Sintenis schließlich in den 1950er ahren mit ihrer Skulptur des Berliner Bären zur Botschafterin der von ihr so geliebten Stadt. Bis heute ist diese Schöpfung als Trophäe der Berliner Filmfestspiele heißbegehrt und weltbekannt.

Mit über 80 Werken gibt die Ausstellung im Edwin Scharff Museum einen umfassenden Überblick über das bildhauerische Werk der Künstlerin. Wir danken unserem Leihgeber, der Sammlung H. Knauf Berlin, die in langjähriger Sammeltätigkeit die mit Abstand umfangreichste Sammlung zu Renée Sintenis aufbauen konnte.