KUNSTMUSEUM

Neben den Ständigen Ausstellungen zu Edwin Scharff und Ernst Geitlinger legen wir den Schwerpunkt in mehreren Sonderausstellungen pro Jahr auf die Klassische Moderne, also das ausgehende 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts - und das immer wieder mit dem Augenmerk auf der Bildhauerei. Damit erweitern und ergänzen wir den Blick auf das Werk Edwin Scharffs.
Zugleich zeigen wir ab und an aktuelle künstlerische Positionen und spannen damit einen Bogen zur Gegenwart.
Mit dem Bildhauer Scharff und dem etwa gleichaltrigen Maler Geitlinger konfrontieren wir eine figürliche Kunstauffassung mit Tendenzen ungegenständlicher und konkreter Kunst.

VORSCHAU

Ausgezeichnet!

Hamburger Edwin-Scharff-Preisträger

02.03. – 23.6.2019

„Er war der Erste unter den Hamburger Künstlern, der Stolz unserer neuen Hochschule“, formuliert der Kultursenator 1955 in seiner Trauerrede für Edwin Scharff und benennt den im gleichen Jahr gestifteten Staatspreis für Hamburger Künstler nach dem verehrten Bildhauer, der nach dem Zweiten Weltkrieg die Klasse für Bildhauerei geleitet hatte. Seitdem werden jährlich Künstlerinnen, Künstler und Künstlerpaare mit dem begehrten Kulturpreis ausgezeichnet (bislang 84).

Ausgehend von den außerordentlich erfolgreichen Schülern Scharffs, stellt die Ausstellung zehn Preisträger*innen vor, die von Hamburg aus die internationale Kunstszene eroberten. Das Spektrum der Arbeiten reicht dabei von Malerei und Bildhauerei über Videokunst und Fotografie bis hin zu Minimal- und Konzeptkunst.

Neben Werken der direkten Scharff-Schüler Ursula Querner (1921–1961) und Manfred Sihle-Wissel (geb. 1934) zeigt die Neu-Ulmer Ausstellung acht weitere bedeutende zeitgenössische Positionen. So führen die inszenierten Fotografien von Anna (geb. 1937) und Bernhard (1937–2011) Blume mit subversivem Schalk vor, was passiert, wenn „Skulpturen“ mit metaphysischer Bedeutung aufgeladen werden. Ganz anders die konzeptuelle Arbeit der von der Minimal Art beeinflussten Künstlerin Hanne Darboven (1941–2009). Sie erfand eine Methode, um das Vergehen von Zeit zu erfassen – in wandfüllenden Bildserien und in der Übersetzung ihrer mathematischen Sprache in Musik. Beides wird sicht- und hörbar in ihrem „OPUS 26“.

 

Die Kunst Franz Erhard Walthers (geb. 1939) hob die Trennung zwischen Künstler, Werk und Betrachter auf und veränderte damit grundlegend die Kunstbetrachtung. Seine „Winkel, Bahn und Standstelle“ sind zur Benutzung durch die Museumsbesucherinnen und -besucher gedacht, die darauf gehend und posierend selbst zu Skulpturen werden und so das Werk mitgestalten. Wiebke Siem (geb. 1954) führt Walthers Ideen weiter. Ihre Stoffobjekte changieren zwischen Skulptur und augenzwinkernden Modeaccessoires.

Buchstäblich wie metaphorisch stellt dagegen Andreas Slominski (geb. 1959) dem Betrachter Fallen. Dass Kunst (fast) immer die Illusion von etwas anderem ist, führt er etwa mit seiner „Hamster-Falle“ vor. Dagegen widmet sich der Maler Daniel Richter (geb. 1962) in seiner Bild-Serie zum Thema „Flucht“ einem aktuellen gesellschaftspolitischen Thema. Wie durch eine Wärmebildkamera der Grenzsoldaten gesehen, zeigt er Figuren, die fallen oder wegzurennen scheinen. Zum Nachdenken über Macht, Umweltverschmutzung und Rassismus regt zudem der Plakatkünstler Holger Matthies (geb. 1940) an.

Die aktuelle Preisträgerin Michaela Melián (geb. 1956) schließlich greift mit ihrer audiovisuellen Rauminstallation eine gesellschaftspolitische Diskussion auf, die seit einiger Zeit vielfach Künstler im urbanen Raum umtreibt: Visionen zum Leben in der Stadt.

Die Ausstellung wird kuratiert von Dr. Friederike Weimar.
Den Katalog zur Ausstellung erhalten Sie in unserem Museumsshop oder unter esmneu-ulmde