KUNSTMUSEUM

Neben den Ständigen Ausstellungen zu Edwin Scharff und Ernst Geitlinger legen wir den Schwerpunkt in mehreren Sonderausstellungen pro Jahr auf die Klassische Moderne, also das ausgehende 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts - und das immer wieder mit dem Augenmerk auf der Bildhauerei. Damit erweitern und ergänzen wir den Blick auf das Werk Edwin Scharffs.
Zugleich zeigen wir ab und an aktuelle künstlerische Positionen und spannen damit einen Bogen zur Gegenwart.
Mit dem Bildhauer Scharff und dem etwa gleichaltrigen Maler Geitlinger konfrontieren wir eine figürliche Kunstauffassung mit Tendenzen ungegenständlicher und konkreter Kunst.

Gottesbilder

Menschenbilder: Grafik der Moderne

8. Februar bis 27. April 2014

Zu keiner Zeit haben sich so viele Künstler derart individuell mit dem „Buch der Bücher“ auseinandergesetzt wie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Künstlern wie Ernst Barlach, Marc Chagall, Otto Dix oder Emil Nolde geht es um mehr als eine Illustration der biblischen Geschichte. Sie greifen vielmehr Themen heraus, die sie persönlich berühren und – oft überraschend subjektiv – neu interpretieren. 

Die Ausstellung „Gottesbilder-Menschenbilder“ zeigt anhand herausragender Künstlergrafiken das ganze Spannungsfeld dieser persönlichen Auseinandersetzung mit dem tradierten Motivkreis der Bibel. Gerade angesichts der tiefgreifenden Erschütterungen des Ersten Weltkriegs veranschaulichen die Blätter von Max Beckmann, Lovis Corinth, Georges Rouault oder Max Slevogt die Rückbesinnung auf ethisch-christliche Grundwerte. Ohne konfessionelle Eingrenzung nehmen sie das Wirken und Leiden Christi oder die Propheten und Könige des Alten Testaments aber auch als Anlass, um intensivste Seelenzustände und existenzielle Konflikte zur Anschauung zu bringen. 

Kommt beispielsweise Oskar Kokoschka zu dem Fazit, die Passion Christi sei die „ewige Menschheitsgeschichte“, so sehen Künstler wie James Ensor in ihr ein Trost spendendes Gleichnis für den Hohn und die Verachtung, die ihnen als fortschrittlich gesinnten Künstlern entgegenschlägt. Zugleich sind Max Pechsteins Grafikfolge „Vater unser“ oder Schmidt-Rottluffs Blätter des „Kristus“-Zyklus nicht nur Meilensteine expressionistischer Holzschnittkunst, sondern in Zeiten der Unsicherheit und des Umbruchs auch ein leidenschaftlicher Appell für die christlichen Werte von Nächstenliebe und Gewaltlosigkeit. 

Die Ausstellung im Edwin Scharff Museum Neu-Ulm versammelt 120 Radierungen, Holzschnitte und Lithographien aus der Stiftung Christliche Kunst in Wittenberg, wobei der Schwerpunkt auf Darstellungen zum Neuen Testament und auf Arbeiten der Moderne liegt. Darüber hinaus gibt sie einen Ausblick auf neuere Auseinandersetzungen mit christlichen Themen wie sie etwa im Schaffen von Georg Baselitz, Joseph Beuys oder Arnulf Rainer zu finden sind.