KUNSTMUSEUM

Neben den Ständigen Ausstellungen zu Edwin Scharff und Ernst Geitlinger legen wir den Schwerpunkt in mehreren Sonderausstellungen pro Jahr auf die Klassische Moderne, also das ausgehende 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts - und das immer wieder mit dem Augenmerk auf der Bildhauerei. Damit erweitern und ergänzen wir den Blick auf das Werk Edwin Scharffs.
Zugleich zeigen wir ab und an aktuelle künstlerische Positionen und spannen damit einen Bogen zur Gegenwart.
Mit dem Bildhauer Scharff und dem etwa gleichaltrigen Maler Geitlinger konfrontieren wir eine figürliche Kunstauffassung mit Tendenzen ungegenständlicher und konkreter Kunst.

Elfriede Lohse-Wächtler (1899-1940)

Ich allein weiß, wer ich bin

7. September 2013 bis 12. Januar 2014

„...ich allein weiß, wer ich bin“ – das der Neu-Ulmer Ausstellung vorangestellte Zitat gibt einen Eindruck vom intensiven und aufreibenden Leben und Schaffen der
Dresdner Künstlerin Elfriede Lohse-Wächtler (1899 –1940). Sie stellt sich damit als eine selbstbewusste und temperamentvolle Frau vor, die Anfang des 20. Jahrhunderts mit großer Vehemenz das Ziel verfolgt, Künstlerin zu werden.
Nach ihrem Studium an der Dresdner Akademie schafft sie leuchtende Landschaftsstudien, genau beobachtete Porträts und pointierte Milieustudien. Immer wieder nimmt sich die Malerin auch selbst in den Blick und malt Selbstbildnisse von großer Intensität. Mit ihrem zwischen Expressionismus,
Verismus und Neuer Sachlichkeit angesiedelten Malstil weiß sie sich im Umkreis
der Dresdner Sezession und unter Künstlerkollegen wie Otto Dix, Conrad Felixmüller oder Otto Griebel zu behaupten.

In Öl, Pastell und Aquarell entstehen in den Hamburger Jahren zwischen 1925 und 1931 zahlreiche Hauptwerke; vorrangig Bildnisse und Schilderungen aus dem Arbeiter und Rotlichtmilieu.
Das Scheitern ihrer Ehe, fehlende künstlerische Kontakte und andauernde Mittellosigkeit reiben die Künstlerin jedoch zunehmend auf. Psychisch erschöpft und in eine Heil- und Pflegeanstalt eingewiesen, wird Elfriede Lohse-Wächtler schließlich von den Nationalsozialisten als „entartet“ gebrandmarkt, zwangssterilisiert und im Rahmen des Euthanasie-Programms T4 vergast.

Jahrzehntelang war das eindrucksvolle Werk der Künstlerin vergessen. Erst dem
„Förderkreis Elfriede Lohse-Wächtler e. V.“ gelingt es seit Mitte der 1990er Jahre, ihrem künstlerischen OEuvre allmählich wieder das Interesse zu verschaffen, das ihm zusteht. Die eigens für Neu-Ulm konzipierte Ausstellung versammelt 70 Gemälde und Aquarelle aus 23 öffentlichen und privaten Sammlungen.

In Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Elfriede Lohse-Wächtler e. V. in Hamburg.

Eröffnung: Freitag, 6. September, 19 Uhr