KUNSTMUSEUM

Neben den Ständigen Ausstellungen zu Edwin Scharff und Ernst Geitlinger legen wir den Schwerpunkt in mehreren Sonderausstellungen pro Jahr auf die Klassische Moderne, also das ausgehende 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts - und das immer wieder mit dem Augenmerk auf der Bildhauerei. Damit erweitern und ergänzen wir den Blick auf das Werk Edwin Scharffs.
Zugleich zeigen wir ab und an aktuelle künstlerische Positionen und spannen damit einen Bogen zur Gegenwart.
Mit dem Bildhauer Scharff und dem etwa gleichaltrigen Maler Geitlinger konfrontieren wir eine figürliche Kunstauffassung mit Tendenzen ungegenständlicher und konkreter Kunst.

Zwischen Madonna und Mutter Courage

Zur Darstellung der Mutter in…

7. September 2012 bis 13. Januar 2013

Das Bild der Mutter zählt zu den ältesten und meist verbreiteten Motiven der Kunst. In ihm sammeln sich archetypische, mythologische und religiöse Vorstellungen von Mutterschaft, die seit dem 17. Jahrhundert auch vermehrt realistische Züge annehmen.

Vor allem in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, die von radikalen politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt sind, entstehen in Deutschland auffallend vielseitige Darstellungen des Themas.


Mit rund 80 Gemälden, Grafiken und Skulpturen von mehr als 50 Künstlern und Künstlerinnen - darunter Arbeiten von Elfriede Lohse-Wächtler, Erich Heckel oder Christian Rohlfs - gibt die Ausstellung im Edwin Scharff Museum eine Vorstellung von der Breite des Motivsspektrums in den Jahren zwischen 1905 und 1935. So steht neben der mystisch überhöhten Schilderung der Geburt bei Otto Dix die sozialkritische Darstellung eines George Grosz.

Die innige Verbindung zwischen Mutter und Kind wird - etwa von Paula Modersohn-Becker - lebensnah geschildert, aber auch vielfach im Bild der Madonna idealisiert und darüber hinaus in kosmische Zusammenhänge gesetzt. Gleichzeitig entwerfen Künstler wie Otto Müller oder Heinrich Richter -Berlin im Motiv der „Zigeunermadonna“ ein vitales Gegenbild zu bürgerlich geprägten Idealen. Die Interpretationen des Motivs changieren zwischen dem beherzten Pragmatismus einer Mutter Courage wie sie Heinrich Zille zu schildern weiß und den huldigenden Blicken auf die elementare, kreatürliche Einheit von Mutter und Kind.

Künstlerinnen wie Lea Grundig, Hannah Höch oder Jeanne Mammen zeigen dagegen ungeschönt die harten Lebensbedingungen von Arbeiterfamilien, veranschaulichen eindringlich frauenspezifische Themen wie eine ungewollte Schwangerschaft, oder verbildlichen angesichts des Weltkriegs den Wunsch der Mütter nach Schutz für ihre Kinder, wie es Käthe Kollwitz immer wieder getan hat. Sie sind es auch, die die eigene Rolle als Künstlerin und Mutter sowie den Spagat zwischen tradiertem Ideal und fordernder Wirklichkeit stets aufs Neue reflektieren.

Die im August Macke Haus Bonn konzipierte Ausstellung wurde in Neu-Ulm um zahlreiche Leihgaben erweitert und durch die großzügige Unterstützung von über 40 öffentlichen und privaten Sammlungen ermöglicht.

Eine Zusammenarbeit mit dem August Macke Haus, Bonn.