KUNSTMUSEUM

Neben den Ständigen Ausstellungen zu Edwin Scharff und Ernst Geitlinger legen wir den Schwerpunkt in mehreren Sonderausstellungen pro Jahr auf die Klassische Moderne, also das ausgehende 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts - und das immer wieder mit dem Augenmerk auf der Bildhauerei. Damit erweitern und ergänzen wir den Blick auf das Werk Edwin Scharffs.
Zugleich zeigen wir ab und an aktuelle künstlerische Positionen und spannen damit einen Bogen zur Gegenwart.
Mit dem Bildhauer Scharff und dem etwa gleichaltrigen Maler Geitlinger konfrontieren wir eine figürliche Kunstauffassung mit Tendenzen ungegenständlicher und konkreter Kunst.

Entartet?

4. September – 21. November 2010

Die Ausstellung „Entartet? – Das Schicksal moderner Kunst in Deutschland 1933-45“ stellt die Werke von Malern, Grafikern und Bildhauern vor, die unter den Nationalsozialisten diffamiert wurden und unter Entlassungen, Ausstellungsverbot
und Vernichtung ihrer Kunstwerke litten. Neben Bildern und Skulpturen von Otto Dix, Otto Freundlich, George Grosz oder Karl Hofer, deren Schaffen unvergessen ist, machen die Arbeiten weniger bekannter Künstler das ganze Ausmaß der nationalsozialistischen Kunstdoktrin deutlich.
Unmittelbar nach der Machtübernahme Adolf Hitlers im Jahr 1933 beginnt die so genannte „Säuberung der deutschen Kunst“, die sämtliche Bereiche künstlerischer Produktion der Kontrolle der Nationalsozialisten unterwirft. Die Künstler werden in „Kammern“ gezwungen, von deren Mitgliedschaft die weitere Tätigkeit abhängt.
Wer aus politischen, „rassischen“ oder kunstpolitischen Gründen nicht in eine vom NS-Staat kontrollierte Kammer aufgenommen wird, erhält Ausstellungs-, Publikations- oder Berufsverbot. 
Künstler wie Max Beckmann, John Heartfield oder Lyonel Feininger verlassen daraufhin Deutschland und gehen ins Exil, viele andere - etwa Käthe Kollwitz oder Gerhard Marcks - ziehen sich in die innere Emigration zurück oder beenden die Künstlerkarriere und flüchten sich in tarnende Berufe. Die beispiellose Diffamierung von Werken bildender Künstler findet 1937 mit der Eröffnung der Schand-Ausstellung „Entartete Kunst“ einen dramatischen Höhepunkt.

Die Ausstellung im Edwin Scharff Museum präsentiert über 90 Werke von 65 betroffenen Künstlern. Ausführliche Einzelbiografien zeigen, wie breit das Spektrum
der konkreten Gefährdung war und welche Fluchtstrategien sich daraus entwickelten.

Sie wird ermöglicht durch den Freundeskreis des Willy-Brandt-Hauses, der einen Großteil der ausgestellten Bilder und Grafiken zur Verfügung stellt. Die Sammlung wird ergänzt durch das Schaffen und Schicksal verschiedener Bildhauer, darunter Ernst Barlach, Rudolf Belling und Emy Roeder. Einen Blick auf lokale Bezüge ermöglichen zudem Gemälde und Grafiken von Wilhelm Geyer, Paul Kleinschmidt,
Richard Liebermann oder Edwin Scharff.