KUNSTMUSEUM

Neben den Ständigen Ausstellungen zu Edwin Scharff und Ernst Geitlinger legen wir den Schwerpunkt in mehreren Sonderausstellungen pro Jahr auf die Klassische Moderne, also das ausgehende 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts - und das immer wieder mit dem Augenmerk auf der Bildhauerei. Damit erweitern und ergänzen wir den Blick auf das Werk Edwin Scharffs.
Zugleich zeigen wir ab und an aktuelle künstlerische Positionen und spannen damit einen Bogen zur Gegenwart.
Mit dem Bildhauer Scharff und dem etwa gleichaltrigen Maler Geitlinger konfrontieren wir eine figürliche Kunstauffassung mit Tendenzen ungegenständlicher und konkreter Kunst.

Albert Weisgerber. Malerei

4. Dezember 2010 – 27. Februar 2011

Sie schläft. Nur ihr Kopf ist in den Falten des Kopfkissens und der weißen Bettdecke sichtbar. Ihr schwarzes Haar geht fast nahtlos in den Hintergrund über. Die weiß schimmernde Decke dominiert den Rest des Bildes. Mit diesem eindrucksvollen Gemälde Albert Weisgerbers wirbt das Edwin Scharff Museum am Neu-Ulmer Petrusplatz für seine neue Sonderausstellung: Vom 4. Dezember 2010 bis zum 27. Februar 2011 ist der Maler Albert Weisgerber (1878-1915), ein hochtalentierter Künstler der frühen Moderne, in einer umfassenden Überblicksausstellung wiederzuentdecken.

Weisgerber zählt zu den wichtigsten deutschen Malern der Zeit um 1900. Leider geriet sein erstaunlich umfangreiches malerisches und grafisches Werk nach seinem frühen Tod als Soldat im Ersten Weltkrieg in Vergessenheit. Seine Art der Malerei, beeinflusst etwa von der Begegnung mit Henri Matisse und Paul Cézanne, changiert zwischen flüchtigen impressionistischen Schilderungen und einem dekorativen Flächenstil. Neben Porträts, Aktdarstellungen, Varieté- und Caféhaus-Szenen wendet sich Weisgerber ab 1909 auch religiösen Themen zu. Zugleich eröffnet ihm die Farbkraft und Lebendigkeit des Expressionismus neue Ausdrucksmöglichkeiten. 
Weisgerber war neben Edwin Scharff und Paul Klee Gründer der Künstlervereinigung „Neue Münchener Secession“, deren erster Präsident er war. Sein Werk spiegelt wie kaum ein anderes die epochalen Brüche und Spannungen der Kunst vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wider.

Über 50 Ölgemälde aus dem Besitz des Albert Weisgerber Museums in Sankt Ingbert im Saarland, der Geburtsstadt des Künstlers, und sein Gemälde „Absalom“ von 1914 aus der Hamburger Kunsthalle hat Museumsleiterin Dr. Helga Gutbrod für die Werkschau ausgewählt. Ein Großteil der in Neu-Ulm ausgestellten Bilder war bis September in einer Weisgerber-Ausstellung in Polen zu sehen. Das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt und die Dachauer Gemäldegalerie haben den begabten, viel zu früh aus seiner Schaffenskraft gerissenen Künstler im Jahr 2009 in Ausstellungen gewürdigt. Nun wird in Neu-Ulm mit dem Schwerpunkt auf den Ölgemälden eine weitere der vielen Facetten Weisgerbers beleuchtet.

Der Neu-Ulmer Edwin Scharff war ein Weggefährte Weisgerbers. Das Gedenkblatt, das Scharff 1915 zum Tode des Künstlerkollegen schuf, ist ebenso zu sehen wie Weisgerbers Pariser Skizzenbuch.