KUNSTMUSEUM

Neben den Ständigen Ausstellungen zu Edwin Scharff und Ernst Geitlinger legen wir den Schwerpunkt in mehreren Sonderausstellungen pro Jahr auf die Klassische Moderne, also das ausgehende 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts - und das immer wieder mit dem Augenmerk auf der Bildhauerei. Damit erweitern und ergänzen wir den Blick auf das Werk Edwin Scharffs.
Zugleich zeigen wir ab und an aktuelle künstlerische Positionen und spannen damit einen Bogen zur Gegenwart.
Mit dem Bildhauer Scharff und dem etwa gleichaltrigen Maler Geitlinger konfrontieren wir eine figürliche Kunstauffassung mit Tendenzen ungegenständlicher und konkreter Kunst.

Scheinbarunscheinbar Christian Rohlfs

Die frühen Landschaften

19. März bis 28. Mai 2006

Christian Rohlfs (1849-1938) farbintensive Gemälde gelten als Vorläufer des Expressionis-mus und waren für viele jüngere Künstler ein wichtiger Ausgangspunkt. Gerade sein Alters-werk ist häufig ausgestellt worden, dem Publi-kum bekannt und gleichermaßen beliebt. Wenig vertraut ist hingegen Rohlfs Frühwerk, das vor allem in Weimar entsteht. Dort studiert er von 1870 an und wird von Lehrern der Großherzog-lichen Kunstschule an den Realismus und die Landschaftsmalerei herangeführt. So schafft der Künstler zwischen 1880 und 1900 ein beeindruckendes Frühwerk, das weitgehend in sich geschlossen ist.

Die Ausstellung im Edwin Scharff Museum, die in Kooperation mit dem Ernst Barlach-Haus in Hamburg entstand,  wirft erstmals einen kon-zentrierten Blick auf die Anfänge des künstlerischen Werdegangs von Christian Rohlfs. Die meisten Bilder zeigen Weimar und Umgebung, Motive, die Rohlfs bei seinen Ausflügen vorfand. Es wird deutlich, daß Rohlfs bereits zu diesem Zeitpunkt meisterlich mit Farbe umgeht und er in der Lage ist, Eindrücke des Lichts und Eigenheiten der Jahreszeiten oder Witterung eindrucksvoll auf die Leinwand zu bannen. Fähigkeiten, die er nach 1900 dynamisch weiter entwickelt. So liefert die Ausstellung auch Erkenntnisse über das Verhältnis von Früh- und Spätwerk. 

Das Außergewöhnliche dieses Frühwerks ist, dass Rohlfs einfachste Motive wählt, die in den Augen seiner Zeitgenossen unscheinbar, ja banal er-scheinen: Matschige Feldwege, menschenleere Alleen, verschneite Wiesen, verfallene Bauern-höfe, aufgegebene Steinbrüche. Doch durch seine atemberaubende, unkonventionelle Malerei gelingt ihm mit diesen scheinbar unscheinbaren Landschaftsbeobachtungen große Kunst, die in Deutschland um 1890 einzigartig ist.