KUNSTMUSEUM

Neben den Ständigen Ausstellungen zu Edwin Scharff und Ernst Geitlinger legen wir den Schwerpunkt in mehreren Sonderausstellungen pro Jahr auf die Klassische Moderne, also das ausgehende 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts - und das immer wieder mit dem Augenmerk auf der Bildhauerei. Damit erweitern und ergänzen wir den Blick auf das Werk Edwin Scharffs.
Zugleich zeigen wir ab und an aktuelle künstlerische Positionen und spannen damit einen Bogen zur Gegenwart.
Mit dem Bildhauer Scharff und dem etwa gleichaltrigen Maler Geitlinger konfrontieren wir eine figürliche Kunstauffassung mit Tendenzen ungegenständlicher und konkreter Kunst.

Im Rausch des Elementaren

4. Dezember 2004 bis 27. Februar 2005

Der Expressionismus, ab 1906 in den Künstlergruppen „Brücke" und „Blauer Reiter" aus dem Wunsch nach neuer Wahrhaftigkeit entstanden,bricht vehement mit der als erstarrt empfundenen, akademischen Kunsttradition. Leuchtende Farben und auf das Wesentliche reduzierte, teils deformierte Formen bestimmen die neue Kunstauffassung. Doch längst nicht alle bedeutenden Leistungen dieser Stilrichtung werden in dieser Frühzeit vollbracht, die mit dem Ausbruch des Ersten Welt-krieges zu Ende geht.

Heute gelten besonders die Jahre 1915 - 25 als intensive, idealistische Phase in der Entwicklung des Expres-sionismus. 

Die zuvor nur in kleinen Zirkeln goutierte Kunstsprache wird nun von einer breiten Gruppe von Künstlern aufgegriffen. In der aufrührerischen, erregten Formensprache des Expres-sionismus sehen Künstler wie Max Pechstein, Ludwig Meidner oder Con-rad Felixmüller das adäquate Ausdrucksmittel für die tiefgreifende gesellschaftliche Erschütterung, die sich in dieser Zeit vollzieht. Das Trauma eines Weltkriegs, der Aufruhr der Novem-berrevolution, die Abdankung des Kaisers verunsichern und erregen sie gleichermaßen. Die Künstler fühlen sich berufen, beim Bau einer neuen Welt eine führende Rolle zu spielen; Kunst soll als Mittel zur Veränderung der Gesellschaft dienen.

Deutlicher denn je klagt diese aufgewühlte Künstlergeneration die herrschenden Verhältnisse an und entwirft in farbstarken Gemälden Utopien einer neuen, brüderlich geprägten Gesellschaft. Dieses politische Pathos, basierend auf der verheißungsvollen Vision eines neuen Menschen muss zwangsläufig scheitern und erlahmt schließlich Mitte der zwanziger Jahre. Bis dahin entstehen Groß-stadtbilder und Landschaftsdarstellungen von visionärer Kraft und ausdrucksstarke Akte und Porträts, die einem neuen Menschenbild verpflichtet sind. 

Etwa 80 Gemälde und Skulpturen aus der Nationalgalerie Berlin u. a. von Max Beck-mann, Rudolf Belling, Otto Dix, Walter Gramatté oder George Grosz veranschaulichen den Furor und Rausch, mit dem sich die Künstler dem für sie Elementaren hingeben: der Schaffung einer neuen, humanistisch geprägten Welt.