KUNSTMUSEUM

Neben den Ständigen Ausstellungen zu Edwin Scharff und Ernst Geitlinger legen wir den Schwerpunkt in mehreren Sonderausstellungen pro Jahr auf die Klassische Moderne, also das ausgehende 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts - und das immer wieder mit dem Augenmerk auf der Bildhauerei. Damit erweitern und ergänzen wir den Blick auf das Werk Edwin Scharffs.
Zugleich zeigen wir ab und an aktuelle künstlerische Positionen und spannen damit einen Bogen zur Gegenwart.
Mit dem Bildhauer Scharff und dem etwa gleichaltrigen Maler Geitlinger konfrontieren wir eine figürliche Kunstauffassung mit Tendenzen ungegenständlicher und konkreter Kunst.

Vom Zauber Japans

7. Februar bis 27. April 2003

"...nur für den Augenblick leben, sich ganz der Betrachtung des Mondes, des Schnees, der Kirschblüten und rotverfärbten Ahornblätter hingeben, Wein trinken, die Dichtung und schöne Frauen lieben und sich wie ein Flaschenkürbis von der Strömung dahintreiben lassen" Asai Ryoi, 1661 Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erstmals japanische Holzschnitte in Europa zu sehen waren, löste dies eine wahre Japanleidenschaft aus.

Die fremde Ästhetik inspirierte die Künstler der Moderne zu gewagten Perspektiven, ungewöhnlichen Formaten und bis dahin ungekannten Bildkompositionen. Unter diesem Eindruck schufen europäische Künstler wie Félix Valloton, Emil Orlik oder Fritz Lang im besten Sinne dekorative Blätter von großer Konzentration und Ausruckskraft.

Einen Schlüssel zur Bedeutung japanischer Farbholzschnitte für die Entwicklung der Grafik der Moderne liefert eine Ausstellung im Edwin Scharff Museum am Petrusplatz. Dort werden einer Auswahl von 30 original japanischen Farbholzschnitten des 17. bis 19. Jahrhunderts aus der Sammlung Winzinger des Historischen Museum der Stadt Regensburg - darunter Arbeiten von Hokusai und Hiroshige - 80 Grafiken der Klassischen Moderne aus der Sammlung van der Grinten des niederrheinischen Museums Schloss Moyland gegenübergestellt.

Die Ausstellung verdeutlicht den starken motivischen, stilistischen und künstlerisch-technischen Einfluss auf die Weltkunst, der von der ostasiatischen Kunst ausgeht. Nach der Öffnung des japanischen Marktes waren es die Weltausstellungen von London (1862) und Paris (1867), die europäische Künstler erstmals mit der fremden Ästhetik japanischer Holzschnitte konfrontierten und den Westen in Staunen versetzten. Ihre exotische Schönheit öffnete die Augen für eine neue Sichtweise. Anfangs griffen nur vereinzelte sogenannte "Japonisten", zu denen Manet, Degas, oder van Gogh gehören, den neuen Stil auf. Langsam entdecken dann die jungen Künstler der Jahrhundertwende die revolutionären Möglichkeiten des Stils in seiner ganzen Breite. Ihnen bot der japanische Farbholzschnitt vollkommen neue gestalterische Lösungen. Er setzte die tradierten und überkommenen akademischen Prinzipien, Von denen sich die Künstler bereits zu lösen begannen, außer Kraft und trug dazu bei, ihre künstlerischen Erneuerungsbestrebungen zu forcieren. Auch die Künstler des Jugendstils lassen sich von den Errungenschaften der fernöstlichen Holzschnitte anregen. Insbesondere Künsler wie Otto Eckmann, Emil Orlik oder Fritz Lang schufen, inspiriert von der exotischen Ästhetik, dekorative Tier- und Blumendarstellungen. Schließlich wirken die Themen und Gestaltungsmuster noch im Expressionismus nach, der diese künstlerische Technik geradezu zum Extrakt, zum Wahrzeichen der Stilrichtung werden lässt, wie Blätter von Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner in der Ausstellung belegen. Die Ausstellung wird von einem interessanten japanischen Programm umrahmt, das von der traditionellen Teezeremonie über Origami bis zu Ikebana reicht.