KUNSTMUSEUM

Neben den Ständigen Ausstellungen zu Edwin Scharff und Ernst Geitlinger legen wir den Schwerpunkt in mehreren Sonderausstellungen pro Jahr auf die Klassische Moderne, also das ausgehende 19. und die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts - und das immer wieder mit dem Augenmerk auf der Bildhauerei. Damit erweitern und ergänzen wir den Blick auf das Werk Edwin Scharffs.
Zugleich zeigen wir ab und an aktuelle künstlerische Positionen und spannen damit einen Bogen zur Gegenwart.
Mit dem Bildhauer Scharff und dem etwa gleichaltrigen Maler Geitlinger konfrontieren wir eine figürliche Kunstauffassung mit Tendenzen ungegenständlicher und konkreter Kunst.

Georg Kolbe und seine Liebe zum Tanz

9. Mai bis 20. Juli 2003

 

Zwischen Anmut und Ekstase

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt sich in Deutschland eine neue Richtung in der Bildhauerei, die ganz auf den menschlichen Körper konzentriert ist. In ausdrucksstarken Aktplastiken entwerfen Künstler wie Georg Kolbe, Edwin Scharff oder Richard Scheibe ein ideales Menschenbild.

Georg Kolbe (1877 - 1947) ist in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts derbekannteste und erfolgreichste deutsche Bildhauer. Die natürliche Anmutseiner Figuren und ihre zarte Innerlichkeit machen seine Plastiken überaus beliebt. Kolbes Interesse gilt insbesondere dem bewegten Körper. Das Edwin ScharffMuseum stellt den Bildhauer deshalb unter dem Aspekt seiner Liebe zum Tanz vor. Als „sehr begeisterter Anhänger des Tanzes, des tanzenden Körpers" hat sich Kolbe selbst beschrieben.

Der Künstler ist nicht nur häufiger Gast bei Berliner Tanzdarbietungen, er sucht auch den Kontakt zu den Protagonisten des modernen Tanzes. So lädt er den berühmtesten Tänzer des 20. Jahrhunderts, den Russen Waslaw Nijinsky, in sein Atelier ein und nimmt ihn zum Vorbild für seine bekannte Plastik „Tänzer". Die exaltierten, wirbelnden und wiegenden Bewegungen der Ausdruckstänzerinnen Charlotte Bara, Gret Palucca und vermutlich Vera Skoronel hält er in zahlreichen Tanzstudien fest. Sie inspirieren ihn zu Plastiken, deren Ausdrucks-spektrum von meditativer Versunkenheit bis zu ungestümer Wildheit reicht. Über Kolbes persönlicher Leistung hinaus, beleuchtet die Ausstellung damit diebedeutende Entwicklung des modernen Tanzes, die sich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts vollzieht.